Bandgeschichte

Am Anfang war ein Buch2/7

Insofern war es beinahe folgerichtig, dass Manfred Spitzer wenig später kurzweg die Einladung annahm, gemeinsam mit Wulf Bertram beim "Geselligen Abend" eines Psychiatriekongresses in Berlin aufzuspielen. Beinahe, denn bei der Vorbereitung der Setliste kamen den beiden dann doch erhebliche Zweifel, ob ein Duett von Gitarre und Klarinette einem ganzen Fest Leben und Harmonie einhauchen könnte. "Wir brauchen einen Keyboarder" lautete die einhellige Erkenntnis.

Wie das Leben so spielt, rief in jenen Tagen ein junger Arzt und Wissenschaftler namens Dr. med. Joram Ronel bei Verleger Bertram an. Er habe eine Dissertation zum Thema HIV geschrieben, die er gerne als Buch veröffentlichen würde. Nun gehören Dissertationen und Habilitationsschriften zu den Publikationen, die Verleger meiden wie der Teufel das Weihwasser: Solche akademischen Schriften mit zahlreichen Tabellen, Statistiken, Tortengrafiken und ellenlangen Literaturverzeichnissen liegen wie Blei in den Regalen der Buchhändler. Bertram versuchte also behutsam, dem jungen Kollegen klarzumachen, dass es mit der Publikation "...aus markttechnischen Gründen" wohl bedauerlicherweise nichts werden würde. Allerdings hatte er zufällig durch eine von Ronels Referenzen erfahren, dass dieser ein begnadeter Jazzpianist sei. Zum Abschluss des Gesprächs schlug Wulf Bertram daher vor "...aber vielleicht können wir ja zusammen Musik machen...?". Joram Ronel, dessen legendäre Frohnatur selbst mit Kränkungen in Gestalt einer Publikationsablehnung souverän umzugehen weiß, antworte ohne langes Zögern "Warum nicht?", und so verabredeten sich Manfred Spitzer, Wulf Bertram und Joram Ronel für den Vorabend des ersten Auftritts in Berlin in der Lounge des Hotels, in das der Veranstalter des Festes die drei Musikanten eingeladen hatte. Als Erkennungszeichen hatte Ronel sich eine Klavierpartitur unter den Arm geklemmt, denn gesehen hatte man sich zuvor nie. Aber wenigstens ein wenig üben wollte der "zusammengewürfelte Haufen" der drei einander völlig unbekannten Musikantenärzte (siehe oben) vor der Premiere dann doch...

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